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Echtzeit? Na, wird auch echt Zeit.

Deutschland ist ja nicht unbedingt dafür bekannt, ein, was #Neuland-Dinge angeht, besonders fortschrittliches Land zu sein. Schlechte Netz-Infrastruktur, im internationalen Vergleich sehr hohe Kosten für mobiles Internet, rechtlicher Hickhack um freies WLAN und eher mäßige Medienkompetenz. Und dann, ja dann haben wir auch noch Herrn Oettinger nach Brüssel geschickt …

Echtzeit heißt das Zauberwort

Daher überraschte es mich unlängst umso mehr, als ich via Facebook darauf aufmerksam wurde, dass eine Pressekonferenz in Berlin live gestreamt übertragen wurde (nicht in Facebook, aber dazu kommen wir noch). „Periscope“ heißt die Plattform, die dafür eingesetzt wurde, eine (nicht mehr ganz) neue App von Twitter (soll heißen, das Ding gibt’s schon länger, hat sich in Deutschland aber bisher nicht durchgesetzt), mittels derer man Live-Video-Streams übertragen kann (und diese dann noch 24 Stunden lang ansehen kann). Somit konnte ich live der Befragung einiger Polizisten zu einem Crystal Meth Fund in Berlin beiwohnen.

Hier ein kurzes Video zu „Periscope“.

Über „younow“ habe ich hier im Blog bereits etwas geschrieben, auch diese App ist ein Beispiel für den ganz klaren Trend der Stunde im Netz: „Echtzeit“. Natürlich haben Dienste wie youtube noch lange nicht ausgedient, doch die Entwicklung ist deutlich. Ob Dienste wie „Meerkat“ (kennt glaub ich kaum jemand in Deutschland), „Twitch“ (Streaming für Gamer) oder das unlängst eingeführte „Facebook Live“, sie alle verdeutlichen, was auf dem Kommunikationsprogramm steht: Echtzeit. Schöne, neue Welt, oder?

Meerkat

Twitch

Echtzeit hat Vorteile, stellt aber auch Anforderungen

Nun, einen Haken hat die Sache. Echtzeitkommunikation in guter Qualität, mit vielen Zuschauern und Live-Feedbackkanälen setzt eine Sache voraus … richtig, eine stabile und schnelle Internet-Infrastruktur. Wie ich eingangs schilderte, ist genau das in Deutschland noch ein Problem. Wie sollen sich Live-Streaming-Apps für die mobile Kommunikation durchsetzen, wenn unsere mobilen Surfvolumen im internationalen Vergleich extrem teuer, unsere Verbindungsgeschwindigkeiten lahm und die rechtliche Situation in vielen Bereichen nach wie vor unklar ist? Vielleicht ist das einer der Gründe, warum derartige Technologien, die in Übersee sofort begeistert aufgenommen und intensiv genutzt werden, in Deutschland immer noch ein Schattendasein fristen.

Dabei liegen die Vorteile der Echtzeitkommunikation auf der Hand. Zum einen ist nichts schneller als eine synchrone Übertragung von Informationen. Statt erst mit Verspätung durch Nachbearbeitung oder dergleichen auf Sendung zu sein, könnten Apps wie Periscope die Berichterstattung revolutionieren, ähnlich wie Twitter es für Live-Berichte aus schlecht erreichbaren Gegenden bereits getan hat (siehe: Hochwasserkatastrophen, Fukushima). Direkte Live-Streams vom Ort des Geschehens, ohne Umweg über Ü-Wagen oder dergleichen, das mag vielen Medienprofis nicht schmecken, ist aber, ob man will oder nicht, die Zukunft. Für den Kundendienst könnte Live-Video neue Wege eröffnen, ein Problem könnte ohne komplizierte Softwareverrenkungen wie Remote Access und dergleichen, über einen privaten Streaming-Kanal gelöst werden.

Natürlich stellt Echtzeitkommunikation Anforderungen. Neben den technischen sind es vor allem organisatorische. Schon jetzt gehen Unternehmen wie die Telekom und die Deutsche Bahn den Schritt, zwar über Facebook und Twitter Kundendienst anzubieten, aber nur zu bestimmten Zeiten. Das ist nachvollziehbar, aber aus meiner Sicht inkonsequent. Andere Unternehmen wiederum schaffen es trotz Social Media Präsenzen nicht, in einem akzeptablen Zeitrahmen zu antworten bzw. antworten auf Kundenanfragen oder auch Kritik überhaupt nicht. Was vielen Unternehmen hierbei vielleicht nicht klar ist: Auch wenn sie ihre Kommunikation auf ein Minimum runterfahren oder nachts kurzerhand dichtmachen, die Nutzer, Kunden, potentiellen Kunden und alle anderen machen keine Pause. Sie kommunizieren weiter und werden das zukünftig immer häufiger auch in Echtzeit-Streams tun. Will die Wirtschaft hier nicht abgehängt werden, ist genau jetzt der Zeitpunkt, sich mal damit auseinander zu setzen.

Ich sehe da Dinge wie Kundenfragen zu bestimmten Produktfunktionen etc., die nicht nur am Telefon, sondern per Video-Live-Stream beantwortet werden. Öffentlich natürlich, damit sich das Ganze auch für die eigene PR einsetzen lässt. Oder Kunstprojekte, die parallel die Feed von hunderten Menschen synchronsieren und daraus Echtzeit-Gemälde schaffen. Klar, vieles davon ist auch heute schon möglich, einige Autoren z.B. halten Lesungen in Second Life ab (ja, das gibt’s tatsächlich noch), doch über eine einfache App wie Periscope hätten auch diejenigen Zugang, die z.B. nicht Mitglied bei Second Life sind. Die Möglichkeiten scheinen endlos und ich fange gerade erst an, darüber nachzudenken. Als Sozialvernetzer könnte ich Sprechstunden halten, die als Live-Feeds direkt übertragen werden … das probiere ich mal aus.

Und, wie sieht’s bei Ihnen aus mit Echtzeit? Wird echt Zeit, oder?

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