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Jugendschutz & Co.

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Googles „Safe Search“ kann einfach deaktiviert werden.

Es gibt im Netz bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Ob das skurrile Videos von singenden Haustieren, private Unfall-Home-Videos oder leidlich gelungene Gesangsversuche vor der Webcam sind – all das ist bestenfalls lustig. Doch an anderen Orten im Netz lassen sich weit weniger harmlose Inhalte finden, oft für jeden zugänglich und nur minimal gegen den Zugriff Minderjähriger geschützt. Der Jugendschutz im Netz ist nach wie vor ein großes Problem. Es erscheint beinahe unmöglich, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu gewalttätigen, pornografischen und politisch extremen Inhalten im Netz zu verwehren. Wenn man einmal verstanden hat, dass der „Safe Search“-Filter in Google auch deaktiviert werden kann, spucken Bildersuchen plötzlich durchaus andere Ergebnisse aus.

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Inhalte von tumblr, für jeden Internetnutzer frei zugänglich.

Wenn man dann das erste Mal auf ein tumblr-Profil stößt, das Bilder oder Videos von Selbstverletzung zeigt oder eine dubiose facebook-Seite entdeckt, die nationalistische Parolen schwingt, sucht man vergeblich nach einem effektiven Weg, die eigenen Kinder davor zu schützen. Sperrfilter, IP-Blocker und dergleichen bietet allenfalls temporären Schutz. Oft genug ist der Nachwuchs technisch versierter als die Eltern und kann derartige Schutzmechanismen knacken. Technik hilft also nur bedingt. Viel wichtiger ist die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Internet und seinen Inhalte, der Dialog zwischen Eltern und Kind.

Cybermobbing und Identitätsdiebstahl
Das Internet kann durch seine strukturellen Gegebenheiten viele Dinge (positive wie auch negative) verstärken und qualitativ auf anderen Ebenen heben. Was früher der gemeine Spruch an der Klowand war, den nur eine Handvoll Menschen gelesen haben, ist heute ein weltweit sofort verfügbares Posting in einem Sozialen Netzwerk, das quasi von jedem sofort gesehen und, schlimmer noch, weitergegeben werden kann.

Sich gegen einen Cybermobbing-Angriff zur Wehr zur setzen, ist nur sehr schwer möglich. Zum einen, weil einmal angerichteter Schaden nur sehr schwer wieder rückgängig gemacht werden kann. Zum anderen, weil die zumindest teilweise vorhandene Anonymität im Internet es sehr schwer macht, Verleumdungen nachzuverfolgen. Jeder von uns kann sich in Windeseile eine anonyme Mailadresse zulegen, seine IP-Adresse über einen Proxy verschleiern und einen ganzen Haufen von fake-Profilen in diversen Netzwerken anlegen. Ich garantiere Ihnen: Wenn Sie das wollten, wäre es eine Sache von einer halben Stunde und sie hätten sich mehrere künstliche Identitäten erschaffen, von denen keine direkt zu Ihnen zurückverfolgbar wäre. Facebook verlangt zwar z.B. die Angabe Ihres „Klarnamens“, aber geprüft wird das nicht. Noch dazu sind auf facebook Namen nicht geschützt, jeder von Ihnen könnte ein Profil mit dem Namen „Sascha Dinse“ anlegen, meine Fotos und Angaben klauen und sich für mich ausgeben. Wollen Sie gar nicht, weiß ich ja. Aber Sie könnten, und zwar ganz leicht. Und nun stellen Sie sich vor, was jemand mit ausreichend Hass in den Adern und etwas krimineller Energie mit einem geklauten Profil alles anstellen könnte. Sie könnten in meinem Namen Dinge bestellen, sich unter meinem Namen bei dubiosen Seiten anmelden, unter meinem Namen radikale Botschaften verteilen und so weiter. Sie könnten auch Gerüchte über mich in die Welt setzen, um mir langfristig Schaden zuzufügen.

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NPD facebook-Seite und fb-Seite von Gegenaktivisten

Radikales Gedankengut
Es klingt beinahe ironisch, aber die facebook-Seite der rechtsextremen NPD ist nur eine vergleichsweise kleine Bedrohung. Die facebook-Nutzerschaft organisiert regelmäßig Aktionen, um die Seite sperren zu lassen. Mit Erfolg. Doch kurze Zeit später taucht sie wieder auf. Facebook beruft sich auf die Meinungsfreiheit und argumentiert, dass die NPD nicht gegen offizielle Richtlinien verstieße. Aus facebooks Perspektive mag das stimmen.

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älterer artikel von mir im beranet-blog www.beratungsrauschen.de

Abseits der großen Netzwerke mit aktiver und aufmerksamer Nutzerschaft bietet das Netz aber noch genügend Schlupfwinkel für Extremisten jeder Art. Ob Salafisten, Rechts- oder Linksextreme, Terroristen – sie alle nutzen das Internet für ihre Zwecke. Dabei sind sie geschickt und wissen genau, wie sie der Strafverfolgung entgehen. Server werden irgendwo im Ausland angemietet, sämtliche Daten sind gefälscht, die Hintermänner sind kaum greifbar. Wird doch einmal eine Website offline genommen, erscheint sie oft nur Stunden später an anderem Ort. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Dennoch ist es ein Kampf, der geführt werden muss, wenn man den Extremisten nicht das Netz überlassen will.

Ein niemals endender Prozess
Die neuartigen Möglichkeiten von Kommunikation und Informationsverteilung erfordern ein Umdenken hinsichtlich der Reichweite eigener Aktionen. Ein Bewusstsein für die Konsequenzen der Online-Kommunikation zu erschaffen muss Aufgabe von Eltern und Pädagogen sein und ist ein niemals endender Prozess. Es wird keinen Moment geben, in welchem zu diesem Thema alles gesagt wäre. So wie sich das Netz entwickelt, so wie sich Mobilegeräte durchgesetzt haben und weiter durchsetzen werden, so wie sich Augmented Reality durchsetzen wird, so müssen sich auch die Wahrnehmung des Netzes und des Umgangs damit stetig weiter entwickeln.

Bei Interesse an einem Workshop, Vortrag oder Fachartikel zu diesen oder weiteren Themen nehmen Sie Kontakt zu mir auf.