Suche
  • sascha@sozialvernetzer.de
  • mobil: 01758602557
Suche Menü

Kalkulierte Panikmache – Abmahnung wegen Facebook-Share

oder: Wie das Verbreiten von Angst als Geschäftsmodell instrumentalisiert wird.

Sascha Dinse, Sozialvernetzer und freiberuflicher Dozent für MedienkompetenzIn den letzten Tagen verbreitete sich eine Meldung wie ein Lauffeuer: Angeblich sei das erste Mal jemand abgemahnt worden, weil die betroffene Person einen Artikel mittels Share-Button geteilt hatte und dabei in Facebook das Vorschaubilds des Artikels angezeigt wurde, ohne dass der Urheber genannt wird. Urheberrechtsverletzung, angeblich.

Zunächst die Entwarnung: Die Geschichte ist zwar wahr (es gab diese Abmahnung, ob es die erste ihrer Art war, weiß ich nicht), aber nach derzeitiger Lage ist das nur ein Sturm im Wasserglas. Denkt man einen Augenblick drüber nach, wird auch bereits klar warum, noch bevor man sich überhaupt mit der rechtlichen Seite beschäftigt hat.

Wenn ich einen Artikel auf meiner Website erstelle und dort Bilder verwende, werden Soziale Netzwerke beim „Teilen“ eines solchen Inhalts automatisch eines der Bilder aus dem Artikel zu Vorschauzwecken verwenden. So kann es also wirklich passieren, dass ein Foto, für das ich z.B. nur das Nutzungsrecht im Rahmen meines Blogs habe, nicht aber für die Verbreitung in Facebook, als Vorschaubild in Facebook auftaucht. Bedeutet das nun, dass man überhaupt keine Kontrolle darüber hat, ob und wo eigene oder fremde Bilder geteilt werden? Nein, natürlich nicht. Vielmehr lässt sich pro Website und sogar pro einzelnem Artikel ganz konkret festlegen, ob ein Bild als Vorschaubild beim Teilen in Soziale Netzwerke verwendet wird und welches Bild das sein soll. Ich kann beispielsweise in meinem Artikel fünf eigene Fotos verwenden, als Artikelbild (also das, was dann als Vorschaubild verwendet werden soll) aber ein ganz anderes festlegen. Oder ich stelle es so ein, dass gar kein Bild angezeigt wird. Ist also (wie sonst auch im Leben) einzig und allein eine Sache der Einstellung.

Hierfür lassen sich OpenGraph-Metatags wie „og:image“ verwenden, eine Aufstellungen weiterer Tags für das Teilen von Inhalten in Facebook findet sich zum Beispiel hier. Viele Plugins für gängige CMS-Lösungen bieten derartige Funktionen auch für Laien an. Man muss also nicht direkt im HTML rumspielen, um so etwas einzurichten.

Hier ein Beispiel aus dem SEO-Plugin von YOAST für WordPress, welches ich hier ebenfalls einsetze. Hier sieht man deutlich, dass es z.B. für Facebook und Twitter individuell möglich ist, eigene Texte und Bilder zu definieren, die beim Teilen verwendet werden sollen. Hat man kein solches Plugin zur Hand, lassen sich derartige Dinge auch direkt im HTML einrichten.

OpenGraph-Tags ermöglichen es, für Soziale Netzwerke individuell festzulegen, welche Inhalte und Bilder geteilt werden sollen

Von daher ist hier eines aus meiner Sicht klar: In einem Fall wie dem vorliegenden kann aus meiner Perspektive derjenige, der einen Artikel teilt, gar nicht dafür verantwortlich gemacht werden, ob dort auch ein Bild geteilt wird. Der Betreiber der Seite kann ja, wie gerade geschildert, im Vorfeld definieren, ob das Bild oder ein anderes überhaupt geteilt werden soll. Die Verantwortung, etwaige Urheberrechtsprobleme zu vermeiden, liegt also nicht beim Nutzer, der einen Artikel teilt, sondern bei der Redaktion, die ihn einstellt. Zwar kann auch der Teilende z.B. direkt in Facebook das Vorschaubild ausblenden oder sogar ein anderes hochladen, beim Teilen über die Facebook-App oder von anderen Seiten aus geht das aber nicht.

Mittlerweile hat sich das Problem von selbst entschärft, die Abmahnung wurde nämlich zurückgezogen. Was bleibt, ist der säuerliche Nachgeschmack, dass hier (mal wieder, nach dem Redtube-Skandal), eine Anwaltskanzlei auf Panikmache setzt, um das eigene Geschäft anzukurbeln.

Schreibe einen Kommentar