Suche
  • sascha@sozialvernetzer.de
  • mobil: 01758602557
Suche Menü

Populismus-Papst Pfeiffer zieht sich zurück. Und das ist gut so.

Sascha Dinse, Sozialvernetzer und freiberuflicher Dozent für MedienkompetenzEigentlich keine besonders spannende Meldung: Da will jemand, der jahrelang Studien durchgeführt und veröffentlicht hat, mal was anderes machen und verlässt sein Institut. Da es hierbei aber um Prof. Christian Pfeiffer geht, möchte ich ein paar Worte zu der Thematik sagen. Nicht nur als Gamer, sondern als Soziologe und einfach als Mensch.

Eins vorweg: Ich finde den Begriff „streitbar“ unsäglich. Was sagt er aus? Er deutet an, dass jemand bereit ist, über etwas zu streiten. Dass jemand seine Sache vertritt und dafür kämpft. An sich nichts Schlechtes. Doch aus meiner Erfahrung wird „streitbar“ immer dann verwendet, wenn der Streitbare eine Meinung vertritt, die einer objektiven Analyse nicht standhält, die wissenschaftlich nicht gedeckt ist. Von daher, ja, kann man Herrn Pfeiffer „streitbar“ nennen, wie der Spiegel es tut. Ein Kompliment ist das aber nicht.

Christian Pfeiffer und meine Meinung dazu

Mit der Wissenschaft ist das ja so eine Sache. Im Prinzip ist es einfach: Man hält sich an bestimmte Vorgehensweisen, arbeitet sich durch Thesen, Antithesen, Synthesen und sowas, bleibt objektiv, kritisch mit sich selbst und so weiter. Man sollte meinen, dass jemand, der einen Professortitel trägt, so etwas kann. Oder? Herr Pfeiffer hat in den letzten Jahren leider bewiesen, dass ein Titel und wissenschaftliches Arbeiten auch einfach mal gar nichts miteinander zu tun haben müssen. Besonders die bösen „Killerspiele“ waren ihm ein Dorn im populistisch-polemisch gefärbten Auge. Dass hier und da Kleinigkeiten wie Unvoreingenommenheit, wissenschaftliche Methodik und anderer Firlefanz vernachlässigt wurden … sei’s drum. Hauptsache, das Ganze ergab schön reißerische Schlagzeilen und spülte immer mal wieder das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen in die Medien.

Damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde auch nur Polemik betreiben, hier ein paar Beispielartikel zu Herrn Pfeiffer, u.a. aus meiner Feder, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben:

Pfeiffer stellt unter Beweis, dass er weder von Spielästhetik noch -mechaniken etwas versteht. Oder hier, bei Gamestar, wo laut Pfeiffer Computerspiele daran Schuld seien, dass Menschen gewaltbereiten Rockergangs beitreten. Hier schreibt mal jemand anderer Unsinn, bezieht sich aber u.a. auf Studien von Herrn Pfeiffer. Einen hab ich noch: Jetzt geht’s in Richtung Verschwörungstheorien, der Games-Militär-Politik-Komplex und so. Is klar. Und weil’s so schön war, hier noch ein Artikel von Sozialvernetzer.de (ja, ich habe auch hier bereits über Herrn Pfeiffer geschrieben). Mal wieder ist das böse Internet schuld, die bösen Spiele und so.

Natürlich auch hübsch illustriert:

pfeiffen_sie_drauf

Wissenschaft? Pah! Ist doch für Amateure. Herrn Pfeiffer & Co. reichen blanke Behauptungen, abgeschmeckt mit Unwissenheit.

Neben diesen Beispielen gibt es noch jede Menge weiterer. Was haben alle Artikel gemein? Sie alle beschreiben, wie jemand (nämlich Herr Pfeiffer) absolut unwissenschaftlich, voreingenommen, engstirnig und populistisch Dinge „feststellt“, die zumindest in der von ihm behaupteten Absolutheit Unfug sind. Dass die Hannoversche Allgemeine Pfeiffer noch ganz niedlich als „ewigen Missionar“ bezeichnet, führe ich mal auf die enge Beziehung der Zeitung zum Bundesland Niedersachsen zurück. Wahr wird es dadurch trotzdem nicht.

Man muss es Pfeiffer lassen, er hat es immer gut verstanden, sich mit Themen zu profilieren und sich Gehör zu verschaffen. Dass dabei das Verbreiten von verleumderischer Hetze über Gamer*innen eher kriminell als kriminologisch war, dass ganze Generationen junger Menschen pauschal zu potentiellen Amokläufern erklärt wurden, dass auf wissenschaftliches Arbeiten kein Pfifferling gegeben wurde … nun ja. So sind sie wohl, die „streitbaren“ Menschen wie Herr Pfeiffer.

Schreibe einen Kommentar